- Martin Freisinger
- 8. Oktober 2026
- PK35514
Das Jahr 2026 hat uns den heißesten Sommer seit Messbeginn beschert. In vielen Gärten ist es nun nicht mehr nur trocken sondern extrem trocken. In diesem Betrag findest du getestete Pflanzen, die mit starker Trockenheit, Sonne und Hitze perfekt zurechtkommen.
Alle hier vorgestellten Pflanzen haben den praktischen Stresstest bestanden! Warum war das notwendig? Weil es für die Pflanzen um Leben und Tod geht! Ein Großteil der Garteninformationen im Internet und auf Verkaufsetiketten ist zu allgemein oder nicht ganz richtig. Häufig liest oder hört man: „Diese Pflanze ist für trockene Standorte geeignet“, doch diese Information ist vollkommen nutzlos!
Was du heutzutage wissen musst, ist: „Ist diese Pflanze für sehr (extrem) trockene Stellen geeignet“?, und „hält sie starke Hitze aus?“. Das Klima hat sich geändert und darum müssen wir unsere Gartenpflanzen sorgfältiger auswählen. Das habe ich für dich in meinem Testgarten gemacht! Hier werden vermeintliche Trockenheitskünstler den stärksten Extremen ausgesetzt – ohne Gießen, ohne Gnade. Nur was diese Bedingungen gut (!) übersteht, darf sich „sehr trockenheitsverträglich“ nennen.
Die gesamte Liste findest du unten im Beitrag.
Lies weiter, und erfahre, was „extrem trocken“ wirklich bedeutet, wie du es erkennst, und wie du an diesen Stellen richtig gärtnerst.
Inhalt
Im Shop kannst du mit Hilfe des Filters ganz einfach die Stauden nach ihrem Wasserbedarf finden. Probiere es hier aus!
Warum wir "sehr trocken" von "trocken" unterscheiden.
Ganz nüchtern betrachtet: trocken wird es hin und wieder mal an fast allen Stellen. Wenn Trockenphasen nur kurz andauern und sonstige Bedingungen günstig sind (z. B. tiefgründiger Boden), dann schadet das nur wenigen Pflanzen. Doch die Geschichte ist damit noch lange nicht zu Ende!
Manche Stellen werden viel trockener als trocken. Du fragst dich sicher zu Recht, wie das überhaupt möglich ist. Die Antwort ist einfach: Was ich als die Stufe „trocken“ bezeichne, hat natürlich noch etwas Restfeuchte, die Stufe „mäßig trocken“ umso mehr.
An sehr trockenen Stellen versiegt die Wasserzufuhr (fast) gänzlich.
- Pflanzen können nicht tief genug wurzeln.
- Hitzeeinstrahlung verstärkt die Trockenheit oft noch
- Diese Bedingungen halten wochenlang an
Trockene Stellen müssen ebenfalls lange Zeit ohne Wasserzufuhr auskommen, aber
- in der tiefe des Boden gibt es Feuchtigkeit
Zum Vergleich sind mäßig trockene Böden nur
- oberflächlich trocken oder
- bekommen regelmäßig Niederschläge
Stauden, die mit „sehr trockenen“ Bedingungen zurecht kommen, wachsen fast immer auch auf „trockenen“ und „mäßig trockenen“ Stellen problemlos
Manche sind jedoch nässeempfindlich, besonders im Winter. Prüfe darum im Pflanzenprofil, ob dein Bodentyp zur Pflanze passt und im Garten, wie stark die Pflanzstelle feucht und nass werden kann.
Wie erkennt man sehr trockene Stellen
Sehr trockene Stellen sind in erster Linie durch Sommertrockenheit geprägt, also wochenlange Sommerhitze. Doch es sind zusätzliche Faktoren, die den Ausschlag geben.
- Klima
In den warmen Regionen Europas, in den Niederungen und im Weinbauklima sind Niederschläge entweder selten oder können sehr unregelmäßig ausfallen. - Boden
Steinig-sandiger oder einfach sandig-durchlässiger Boden trocknet schneller aus. - Hanglage und besonders die Ausrichtung eines Hangs nach Süden verursachen stärkere Austrocknung.
- Vom Regen abgeschirmte Plätze (durch Dächer, Gehölze, etc). sind oft sehr trocken.
- Wurzeln größere Gehölze konkurrieren sehr stark um Wasser.
- Nahegelegenes Pflaster, Beton oder Asphalt reflektieren die Hitze, stressen die Pflanze und beschleunigen die Austrocknung.
- Bordüren, Randsteine, Fundamente, Mauern, also alle Barrieren gegen Bodenfeuchte oder Oberflächenwasser sind oft ein Grund.
Wie erkennst du das Wasserangebot deines Garten? Erfahre in diesem Beitrag, wie du die Wasserversorgung in deinem Garten beurteilst.
Die Pflanzen dagegen sind nicht so leicht zu verstehen. Selbst der Staudenprofi kann nicht so einfach beurteilen, ob eine Pflanze stark hitze- und trockenheitsverträglich ist. Man muss es einfach wissen oder mal ausprobiert haben, denn an ihrem Äußeren kann es nicht abgelesen werden. Verschiedenste Theorien über behaartes Laub, ober graues Laub, nicht-krautiger Wuchs uvm. klingen zwar gut, haben aber viel mehr Ausnahmen als Regelfälle.

Eine Pflanze entfaltet erst nach vollständigem Einwachsen ihre ganze Trockenheitsresistenz!
Frisch Gepflanztes ist genau so empfindlich gegen Austrocknung wie eine Topfpflanze!
Es vergehen meistens 3-4 Woche bis eine Pflanze halbwegs angewachsen ist, und dann Monate bis Jahre bis sie völlig selbstständig ist.
Gärtnern auf extrem trockenen Stellen - die Essentials
Wenn es an einer Stelle schnell und stark trocken werden kann, dann musst du als Gärtner geschickt sein und das richtige Timing beachten.
Eine Pflanze ist erst dann trockenheitsresistent, wenn sie komplett eingewachsen ist, also wenn sie ihr Wurzelsystem komplett ausgebildet hat. Das kann dauern!
Die ersten Wochen nach der Pflanzung nenne ich „Anwachsphase„: die Pflanzen hält sich miminal am Boden fest. Erst dann kann sie ihre Wurzeln tiefer in den Boden senden und sich einwachsen. Letzteres kann dauern – von einigen Monaten bis zu einigen Jahren.
- Pflanze während Feuchtperioden (im Frühling und Herbst häufiger)
- Schüttle beim Pflanzen lockere Topferde von den Wurzeln.
- Lockere verdichteten Boden gut und tief auf.
- Gutes Eingießen (besser: Einspülen oder regelrecht „Einschlämmen“) führt zu gutem Kontakt zwischen Topfballen und Bodenerde.
- Sei aufmerksam während der Anwachsphase (die ersten 4 Wochen)! Trockenphasen können stärker ausfallen und die Pflanzen müssen rechtzeitig gegossen werden.
- Auch in der darauffolgenden Einwachsphase kann starke Trockenheit den Pflanzen noch etwas anhaben.
Die Liste extrem trockenheitsverträglicher Stauden
Ich empfehle hier nur Stauden, die wirklich gut mit den extremen Bedingungen eines heißen, sonnigen und sehr trockenen Standorts zurechtkommen.
Vielleicht wirst du manche vermissen, doch das hat seine Gründe. Einige Pflanzen wachsen toll in Mauer- und Steinritzen, wo sich darunter Feuchtigkeit hält. Andere vertragen zwar die Trockenheit, aber nicht in Kombination mit Hitze. Und viele andere würden zwar überleben, doch hässlich aussehen – und das willst ja wahrscheinlich auch nicht!
Bedenke: nur weil eine Pflanze aus warmem Klima stammt, heißt das nicht sofort, dass sie auf den schlimmsten Stellen wachsen kann. Mikroklima, also die Auswirkungen von kleinräumigen Bedingungen, sollte man nicht unterschätzen! Etwas Mulch aus Kies, etwas Beschattung zu Mittag oder ein Platz 30 cm weiter vom heißen Stein entfernt – all das kann für viele Pflanzen lebensentscheidend sein!
| Bild | Botanisch | Deutsch | Blütezeit | Farbe | Höhe | Licht | Wasser |
|---|
Gerade nicht mehr in der Liste
Hier stelle ich noch ein paar Stauden vor, die leider zu oft als sehr trockenheitsverträglich verkauft werden. Sie sind nach ihren Handicaps geordnet:
Hitze und Trockenheit
So robust sie auch sind, starke Trockenheit plus starke Hitze können sie schädigen.
Oenothera macrocarpa – Missouri-Nachtkerze
Euphorbia characias – Palisaden-Wolfsmilch
Aubrieta-Sorten – Blaukissen
Phlox subulata – Polster-Phlox
Möglich, aber auf Kosten der Schönheit
Eine ganze Reihe von Stauden hält mehr aus, als man denkt (und sie vielleicht möchten). Sie werden auch immer wieder an extreme Stellen gepflanzt, doch leidet ihr Aussehen darunter. Ich empfehle, sie auf nur „trockenen“ Böden zu verwenden.
Sesleria autumnalis – Herbst-Kopfgras
Carex morrowii – Japan-Segge
Trachystemon orientalis – Rauling
Hypericum atomarum – Griechisches Johanniskraut
Salvia nemorosa – Steppen-Salbei
Einfach missverstanden
Manche Pflanzen werden hartnäckig als sehr trockenheitsliebend verkauft, obwohl sie es entweder nicht oder nicht in dem vermuteten Ausmaß sind:
Sedum maximum – Große Fetthennen
Polster-Thymiane
Allium tuberosum – Schnittknoblauch
Kniphofia Arten und Sorten – Fackellilien
Euphorbia polychroma – Gold-Wolfsmilch
Pulsatilla – Kuhschellen
FAQ: Die häufigsten Fragen zu Trockenheit
Hängt Trockenheit nur von den Niederschlägen ab?
Nicht ganz. Natürlich sind Böden bei häufigen und regelmäßigen Niederschlägen auch durchgehend feucht, egal welcher Bodentyp es ist. Bei geringeren Niederschlägen entscheiden andere Faktoren:
- Bodentyp (seine Wasserhaltefähigkeit)
- Klima (Temperatur, Windaustrocknung, etc.)
- Faktoren des Mikroklimas (Bauwerke, Hanglage, uvm.)
Muss jeder Garten mal gegossen werden?
Nein, man kann mit einer gut passenden Pflanzenwahl das regelmäßige Gießen vermeiden.
Davon ausgenommen ist jedoch das Gießen während der Anwachs- und Einwachsphasen nach der Pflanzung.
Ist Gießen schlecht?
Oder ein Zeichen von einem schlecht angelegten Garten?
Man muss natürlich nicht puristisch und dogmatisch werden. Das heißt, gelegentliches Gießen, also gezieltes Aushelfen, wenn es wirklich ganz schlimm trocken wird, ist nichts Ungewöhnliches.
Wenn du im Sommer aber regelmäßig gießen musst, damit deine Pflanzen nicht kaputt werden, wäre es empfehlenswert, deine Pflanzenwahl anzupassen – so weit möglich natürlich. Es kann schon sehr helfen, die Pflanzen nach Wasserbedarf zu gruppieren, sodass du nur Teile des Gartens ständig im Auge behalten musst. Dein Kalender und deine Wasserrechnung werden sich freuen, die Umwelt noch viel mehr!
Warum unterscheidet PFLANZKOMPASS in 3 Trockenheits-Stufen?
Weil nur 1 Stufe „trocken“ für die richtige Pflanzenwahl nutzlos ist.
Es macht die ganze Angelegenheit zwar komplizierter, aber die Unterscheidung funktioniert wirklich! Pflanzen lassen sich sehr verlässlich in „mäßig trocken“, „trocken“ und „sehr trocken“ einteilen.
Wie lange nach dem Pflanzen braucht eine Pflanze nicht mehr gegossen zu werden?
Wie immer hängt alles von der gegebenen Pflanze ab. Manche wurzeln sehr schnell ein, manche brauchen lange. Manche sind generell gut gegen Verdunstung gewappnet, andere nicht.
Als Daumenregel gilt: 3-4 Wochen Anwachszeit (von April bis Oktober). Das Einwachsen ist bei kleineren Stauden oft nach 2-3 Monate, bei großen auch erst nach 2 Jahren ganz abgeschlossen. Bäume und Sträucher brauchen meistens noch deutlich länger.
Wie findest du die richtigen Stauden?
PFLANZKOMPASS bietet dir zahlreiche Möglichkeiten, genau die passenden Stauden für deinen Garten und für eine bestimmte Situation zu finden.
Stauden von A-Z
Im Shop steht dir unser ganzes Sortiment zur Verfügung. Schmökere durch von A-Z oder sieh dir spezielle Stauden-Typen an, wie z.B. Ziergräser oder Farne.
Filter im Shop
Der Pflanzen-Filter im Shop ermöglicht dir, auf einfache aber genaue Art die passenden Pflanzen zu finden.
Kollektionen
Im Kompass findest du Ideen und Konzepte zu Pflanzungen und Pflanzenkombinationen.
Über den Autor
Martin Freisinger
Gärtner & Landschaftsgestalter, Gründer von Pflanzkompass
Martin ist Landschaftsgärtner und Gartengestalter, aber zuallererst Staudengärtner seit frühester Kindheit. Er versteht sich in erster Linie als Gärtner, als jemand, der lebende Pflanzen professionell kultiviert. Sein Idealbild ist ein Garten, der sich von Frühling bis Winter dynamisch verändert. Am meisten begeistern ihn dabei Stauden: atemberaubend vielfältig und wahre Wunder der Verwandlung.
Als Autor und Sprecher teilt Martin sein Wissen über Stauden, pflegeleichte und naturnahe Gärten. PFLANZKOMPASS.at ist sein Online-Shop für erfolgreiches Gärtnern mit Stauden, und pflanzbar heißt seine Garten- und Pflanzplanung im Raum St. Pölten, Wien und Linz.
